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09.11.2017: Fachkonferenz des Lebenshilfe-Werks zur Teilhabeplanung

Die Lübecker „Media Docks“ waren am 9. November 2017 der Schauplatz der zweiten unternehmensweiten Fachkonferenz des Hamburger Lebenshilfe-Werks. Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Einrichtungen und Diensten holten sich Anregungen und diskutierten zum Thema „Teilhabeplanung.“

Geschäftsführer Martin Schaedel führte in das Thema ein und schlug den Bogen zur ersten unternehmensweiten Fachkonferenz im Juni 2016, auf der die Qualitätsversprechen des Lebenshilfewerks – das neue Leitbild – beraten worden waren. Die Hilfe- oder Teilhabeplanung für die einzelnen Klientinnen und Klienten, so wurde deutlich, ist ein entscheidender Prozess, in dem diese Qualitätsversprechen ihre konkrete Umsetzung finden müssen.

In den anschließenden Impulsreferaten beschrieb Clementine Spengler, Wohnbereichsleiterin im Karl-Schütze-Heim, das dortige Verfahren der Hilfeplanung. Monika Thiex, Leiterin des Wohnhauses Elbchaussee, stellte dar, wie Hamburger Einrichtungen versuchen, aus einer stark am Item-Katalog des Metzler-Verfahrens ausgerichteten, oft stark defizitorientierten Praxis der Hilfeplanung herauszukommen und neue Vorgehensweisen zu entwickeln. Ihr Stellvertreter Edwin Ewler gab ein anschauliches Beispiel dafür, wie – außerhalb förmlicher Hilfeplan-Routinen – das sorgfältige Wahrnehmen von Klienten im Alltag Erkenntnisse über Wünsche und Ziele liefert, die für die Teilhabeplanung von Bedeutung sein können:

Herr Ewler beobachtet im Wohnhaus, wie ein Klient die Toilette verlässt und von dort die Klopapierrolle mitnimmt. Er widersteht dem Impuls, ihn gleich zum Zurückbringen der Rolle aufzufordern, und beobachtet, was weiter geschieht. Der Klient legt auf dem Fußboden eine lange, gerade Linie aus Klopapier. An beiden Enden wird ein kürzeres Stück quergelegt. Herr Ewler fragt den Klienten, der sich sprachlich nur schwer ausdrücken kann, was das sein soll. Der Klient wundert sich sehr, dass Herr Ewler das nicht erkennt. Nach einigem hin und her versteht Herr Ewler, dass der Klient eine Bahnmarkierung dargestellt hat, wie er sie irgendwann einmal auf dem Boden von Schwimmbecken gesehen hat. Es stellt sich heraus, dass er sehr gerne öfter schwimmen gehen würde. In einem förmlichen Hilfeplangespräch, bei dem viele Items „abzuhaken“ sind, wäre dieser wichtige und gut erfüllbare Wunsch möglicherweise nicht entdeckt worden.

Nach den Impulsreferaten wurde die Bestandsaufnahme der heutigen Praxis der Hilfeplanung in vier Arbeitsgruppen vertieft. Vor allem zwei Themenkomplexe standen im Mittelpunkt:

  • Wie gut gelingt die Beteiligung der Klientinnen und Klienten? Wie gewinnen wir Infos über Ziele, Wünsche und Probleme? Erfahren wir wirklich, wo, wann und wie der Klient Assistenz wünscht? Wie geht das bei Menschen, die nicht sprechen können?
  • Wie gut gelingt die Beteiligung des gesamten Mitarbeiterteams? Steuern möglichst viele Team-Mitglieder ihre Wahrnehmungen des Klienten bzw. der Klientin bei? Wird die Planung für die Zukunft mit allen abgestimmt, die im weiteren Verlauf zur Umsetzung beitragen müssen?

Die Diskussion dieser und weiterer Fragen diente zugleich dem gegenseitigen Kennenlernen und der Information über Erfahrungen und Arbeitsweisen anderer Einrichtungen.

Nach der Mittagspause berichtete Fanny Thomas, Bereichsleiterin für Hamburg, über den seit einigen Monaten laufenden Hamburger Arbeitsprozess zur Weiterentwicklung der Teilhabeplanung. Sie machte deutlich, dass dabei nicht einfach eine Diskussion um Methoden und Instrumente geführt werden kann, sondern dass grundlegende Haltungen und Orientierungen geklärt werden müssen, ohne die immer die Gefahr besteht, dass Planungsprozesse zur formalen Routine verkümmern.

Diesen Impuls verstärkte Dr. Stefan Doose, der als externer Fachmann eingeladen war und dessen Name im der Fachwelt mit dem Konzept der „Persönlichen Zukunftsplanung“ verbunden ist. Er sensibilisierte dafür, dass es auf den richtigen, neugierigen, wertschätzenden Blick auf Klientinnen und Klienten ankommt. Wieviel wissen wir wirklich darüber, was den von uns begleiteten Menschen wichtig ist? Haben wir erkundet, was sie können, wenn sie die richtige Assistenz erhalten? Ist das, was wir über Menschen in Erfahrung gebracht haben, auch in einer Weise dokumentiert, die uns (und eventuell auch zukünftigen Betreuern) für die Arbeit wirklich hilft? Weiterhin präsentierte er beispielhaft eine Palette von Methoden und Arbeitsinstrumenten, in denen dieser personenzentrierte Ansatz zum Ausdruck kommt.

In einer zweiten Arbeitsgruppenphase wurde versucht, diese Impulse zu verarbeiten und Ideen für die Weiterentwicklung der Teilhabeplanung im Hamburger Lebenshilfe-Werk zu sammeln. Das abschließende Feed-Back der Konferenzteilnehmer machte deutlich: Fast alle haben diesen Tag als spannend und produktiv empfunden und nehmen Anregungen mit, die in die zukünftige Arbeit einfließen werden.