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50 Jahre Karl-Schütze-Heim in Ostholstein

Mit einem großen Sommerfest beging das Karl-Schütze-Heim in Merkendorf am 2. Juli 2016 sein 50jähriges Jubiläum. Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie viele Gäste feierten auf dem großzügigen Gelände des Heims, begleitet von Jazz-Klängen der Seaside Jam Bigband. In großen Zelten, die vor gelegentlichen Regentropfen Schutz boten, moderierte Heimleiterin Babett Ritzen das Programm aus Ansprachen, leckerem Essen und Freizeitvergnügungen vom Malstand bis zur Kutschenfahrt.

Jürgen Wurst, Aufsichtsratsvorsitzender des Hamburger Lebenshilfe-Werks, berichtete über die bewegte Geschichte des Hauses. 1919 als Herrenhaus und Mittelpunkt eines Gutshofs errichtet, wurde es in der Nazizeit als Heim der Marine-SA und in der Nachkriegszeit als Kinderheim genutzt. Vor 50 Jahren – im Jahr 1966 – erwarb Dr. Karl Schütze das Haus für den im Jahr 1960 gegründeten Landesverband Hamburg der Lebenshilfe, dessen Vorsitzender er war. Es entstand ein Heim für Kinder mit geistiger Behinderung, das überwiegend aus Hamburg belegt wurde, wo es außer den überfüllten Alsterdorfer Anstalten kaum Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung gab. Eine Erbschaft ermöglichte den Umbau und die Errichtung weiterer Gebäude.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gebäude in mehreren Schritten erweitert und modernisiert. Aus dem Heim für Kinder wurde ein Heim für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung, in dem heute über 130 Menschen leben. Eigentümer des Gebäudes ist heute die Stiftung Hamburger Lebenshilfeheime, Betreiber des Heims die Hamburger Lebenshilfe-Werk gGmbH.

Der Bewohnerbeirat des Karl-Schütze-Heims stellte sich vor und berichtete von seiner Arbeit. Seit 2013 hat das Karl-Schütze-Heim einen aktiven Bewohnerbeirat unter dem Vorsitz von Jutta Seehase, der die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner innerhalb und außerhalb des Hauses vertritt. Beispielsweise habe man sich beim Bürgermeister der Gemeinde Schashagen für eine Fußgängerampel an einem viel benutzten Übergang eingesetzt. Der Bürgermeister habe sie energisch unterstützt – jetzt müsse noch die Verkehrsbehörde des Landes überzeugt werden.

Zur Vorbereitung des Festes hatten Bewohnerbeirat und Mitarbeiter gemeinsam alte Akten und Fotoalben gesichtet und interessante Fundstücke zusammengestellt, und so konnten Besucher sich ein anschauliches Bild von den Lebensverhältnissen im Heim in vergangenen Jahrzehnten machen.

Martin Schaedel, Geschäftsführer des Lebenshilfe-Werks, dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses für ihr großes Engagement. Gemeinsam mit Frau Ritzen versicherte er den Gästen, dass das Karl-Schütze-Heim seine 50jährige Tradition keineswegs als Ruhekissen versteht. In 50 Jahren habe man sich immer erneuert und weiterentwickelt, und diese Geschichte sei ein Ansporn, das auch weiterhin zu tun. So strebe man an, eine Anzahl von Wohnplätzen in der nahe gelegenen Hafenstadt Neustadt in Holstein zu schaffen. Es gebe einige Bewohner/innen, die lieber in einer lebhafteren, städtischen Umgebung mit belebten Straßen, Geschäften und Treffpunkten leben würden, und denen man damit zusätzliche Wahlmöglichkeiten geben könnte. Durch den Umzug von Bewohnern in ein neues Haus in Neustadt wolle man zugleich die Doppelbelegung von Zimmern Merkendorf abbauen, möglichst vielen Bewohnern ein Einzelzimmer bieten und damit die Wohnverhältnisse weiter verbessern. Dieses Projekt werde nun mit den behördlichen Partnern beim Kreis Ostholstein und bei der Stadt Neustadt besprochen.

Rainer Holtz, Bürgermeister der Gemeinde Schashagen, zu der auch der Ort Merkendorf gehört, nahm an der Feier teil und betonte in seinem Grußwort die guten Kontakte zur Nachbarschaft. Er übergab Frau Ritzen einen Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1966, in dem über die Gründung des Heims berichtet wird, und ein kunstvoll gestaltetes Gemeindewappen. Er lud die älteren Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses ein, auch weiterhin an den von der Gemeinde organisierten Seniorenausflügen teilzunehmen.

Für den Förderverein des Karl-Schütze-Heims berichtete Herr Dr. Kühnau über die engagierte Tätigkeit des Vereins, durch die in den zurückliegenden Jahren viele Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses erfüllt und die Arbeitsmöglichkeiten deutlich verbessert werden konnten. Er hob hervor, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses nicht nur beruflich gut qualifiziert sind, sondern sich auch mit persönlichem Engagement und großer Herzlichkeit den Bewohnerinnen und Bewohnern zuwenden.

Bärbel Brüning überbrachte die Grüße der Lebenshilfe Schleswig-Holstein, deren Geschäftsführerin sie ist. Sie hob hervor, dass das Karl-Schütze-Heim eines der ersten Heime der Lebenshilfe überhaupt gewesen sei, und würdigte die dort geleistete Unterstützung und die Aufgeschlossenheit für weitere Entwicklungen. Zudem berichtete sie kurz von den aktuellen Auseinandersetzungen über den Entwurf des Bundesteilhabe-Gesetzes, das in mehreren Punkten den Belangen von Menschen mit Behinderung noch nicht ausreichend Rechnung trage.

Dr. Stefan Doose von der Fachschule Lensahn dankte dem Karl-Schütze-Heim für die gute Zusammenarbeit bei der Ausbildung und Weiterqualifizierung sozialpädagogischer Fachkräfte. Ein wichtiges gemeinsames Anliegen sei, dass Menschen mit Behinderung ihre persönliche Zukunft möglichst selbstbestimmt planen können, und dass hierfür Unterstützung sowohl vom Personal von Wohnhäusern und Werkstätten als auch aus dem privaten Umfeld von Verwandten und Bekannten gegeben wird.

Als Ausdruck seiner Wünsche für eine gute zukünftige Entwicklung des Karl-Schütze-Heims hatte Herr Wurst dem Haus einen kleinen Apfelbaum geschenkt. Zum Schluss des Festes wurde er gemeinsam auf der großen Rasenfläche vor dem alten Gutshaus eingepflanzt.