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Wie rückt die Person in den Mittelpunkt?

Fachkonferenz des Lebenshilfe-Werks über Personen- versus Institutionszentrierung

„Personenzentriert statt institutionszentriert - Herausforderungen für Eirichtungen, Dienste und Mitarbeiterinnen“ - so lautete das Thema einer Fachkonferenz am 20. Juni 2017 in den Räumen der Handwerkskammer Hamburg, an der etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Hamburger Einrichtungen und Diensten des Lebenshilfe-Werks teilnahmen.

„Facetten der Institutionsbezogenheit - An welchen Stellen dominieren institutionelle Kräfte und Interessen in Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe?“ Unter dieser Fragestellung stand das erste Impulsreferat von Prof. Dr. Markus Schäfers (Foto), Inhaber des Lehrstuhls für Rehabilitation und Teilhabe im Sozialraumbezug an der Hochschule Fulda. Er beschrieb, wie schon die Ermittlung von Unterstützungsbedarfen oft stark an den vorhandenen Angebotsstrukturen orientiert ist: In welches vorhandene Angebot „passt“ ein Mensch am ehesten hinein? Welche der standardmäßigen Leistungsmodule einer Einrichtung und eines Dienstes können ihm angeboten werden? Selten gelingt es, Unterstützungsangebote komplett vom Menschen her zu entwickeln. Das Problem setzt sich nach der Aufnahme in einer Einrichtung fort: Da gibt es Zwänge der Dienstplanung, feste Tagesabläufe von Einrichtungen, standardisierte Hilfeplanverfahren, Arbeitsroutinen der Assistenzkräfte und einen eingeübten Katalog von Freizeitaktivitäten - ein ganzes Bündel institutioneller Regeln, in denen individuelle Wünsche, Interessen und Träume einzelner Bewohnerinnen und Bewohner nicht immer zur Geltung kommen.

In den anschließenden Arbeitsgruppen fiel es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht schwer, verschiedene „Facetten der Institutionsbezogenheit“ in der eigenen Praxis ausfindig zu machen. Zwar gehören viele Formen von Überreglementierung der Vergangenheit an, und „Selbstbestimmung“ ist als zentraler Wert im Bewusstsein der Teams fest verankert. Aber es gibt durchaus noch Strukturen und Handlungsmuster, die von der Logik der Institution bestimmt und aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner eher hinderlich sind.

Nach dem zweiten Impulsreferat von Prof. Schäfers über „Lebensqualität und Personenzentrierung“ war das Interesse entsprechend groß, über Möglichkeiten der Weiterentwicklung der Praxis zu sprechen. Über viele Punkte gab es Einigkeit: Nicht zu schnell selber planen. Achtsam und geduldig wahrnehmen, was die Menschen selbst wollen. Wünschen und Interessen sorgfältig nachgehen - auch wenn sie unklar formuliert sind oder auf nichtsprachlichem Weg zum Ausdruck kommen. Nicht voreilig Wünsche „wegsortieren“, weil sie unrealistisch erscheinen oder nicht in die eigene Wertvorstellungen passen. Flexibilität im Team entwickeln, damit auf Bedürfnisse auch einmal spontan eingegangen werden kann - und nicht nur „nach Dienstplan“ zwei Monate später. Andere für einen Bewohner oder eine Bewohnerin wichtige Menschen in die persönliche Zukunftsplanung einbeziehen. Bewohnerbeiräte stärken. Menschen und Organisationen im sozialen Umfeld als Partner und Unterstützer gewinnen, mit denen sich Dinge erreichen lassen, die wir als Einrichtung der Eingliederungshilfe alleine nicht bewältigen können...

Fanny Thomas, die als Hamburger Bereichsleiterin des Lebenshilfe-Werks die Tagung moderierte, bedankte sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die konstruktive, lebendige Diskussionen und den positiven Blick in die Zukunft. Der Zeitrahmen war eher zu knapp für diese Fülle der Ideen und Anregungen. Aber die Gespräche enden ja nicht mit diesem Tag, sondern sollen weitergehen - in den Dienstbesprechungen der Bereiche, wo die Ideen schließlich umgesetzt werden müssen. Damit wir unsere Arbeit so weit wie möglich nach den Bedarfen, Wünschen und Zielen der Menschen ausrichten - und so wenig wie möglich nach den Regeln und Zwängen der Institution.

Das Hamburger Lebenshilfe-Werk dankt Herrn Dr. Markus Schäfers für die Impulse und der Handwerkskammer für die freundliche Unterstützung der Tagungsorganisation.